• Manuela Sattlegger

colours of my life… Farben als Sprache des Unbewussten #maximaCOMEPASS


Jeder hat mindestens eine Lieblingsfarbe, meine ist eindeutig "blau". Diese Präferenz ist über die Jahre sehr stabil geblieben und wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. In meiner Jugendzeit, das war in den 80er und 90er Jahren, hat es noch jede Modesaison eine In-Farbe gegeben. Wer nicht gnadenlos out sein wollte, musste mindestens ein Kleidungsstück in dieser Modefarbe besitzen. Als Maltherapeutin haben Farben für mich eine essentielle Bedeutung, abseits von Bewertungen wie „in-out“, „schön-hässlich“ oder „ansprechend-abstoßend“.

Farben als Sprache der Seele

In der Maltherapie, die auf die Tiefenpsychologie von C.G. Jung basiert, versuchen wir über innere Bilder Zugang zum Unbewussten zu finden. Das Unbewusste hat eine eigene Sprache und drückt sich vor allem in Farben, Symbolen, Gefühlen, inneren Bildern oder Träumen aus. Wenn diese inneren Bilder gemalt oder gestaltet werden, spielen Farben eine große Rolle. Dabei geht es um Assoziationen, Gefühle, Nuancen, Archetypen, Symbolik und Materialauswahl. Der Seele wird durch die Gestaltung, dem Bild, wieder Raum gegeben und persönliche Entwicklungen angestoßen.

Farbassoziationen

Farben sind faszinierend und vielfältig interpretierbar, wobei es keine letztgültige und einzige Interpretation gibt. Im Standardwerk der Maltherapie „Farben In Religion, Gesellschaft, Kunst und Psychotherapie“ beschreibt Ingrid Riedel, dass es immer darum geht, dass der Gestalter selbst seine Assoziationen zu den Farben des Bildes nennt und was die Farben in ihm auslösen. „Von diesen Assoziationen her lässt sich oft intuitiv erschließen und nachvollziehen, wie der Maler zu seiner Farbsprache gekommen ist und was er mit ihr ausdrücken wollten.“ (siehe Ingrid Riedel, Farben, Seite 10). Dann kann im Gespräch Therapeut-Klient zusätzlich auch noch die Farbsymbolik einer früheren Epoche und die archetypische Bedeutung von Farben miteinbezogen werden.

Farbpsychologie

Auch die Farbpsychologie hilft uns die Wirkung von Farben besser zu verstehen. Eva Heller untersuchte fast 2000 Personen mit einer schriftlichen Befragung zu Farben zu Begriffen aus verschiedensten Gefühls- und Erfahrungsbereichen. „Welche Farbe hat die Liebe?“ – „Welche Farbe hat der Hass?“ Blau-Braun-Gelb-Gold-Grau-Grün-Orange-Rosa-Rot-Schwarz-Silber-Violett-Weiß?

Haben wir zu jeder Farbe eine spezielle Empfindung?

Nein, es gibt viel mehr Gefühle als Farben. Rot ist die Farbe der Liebe, aber auch des Hasses.

Wie können Farben so verschiedene Gefühle auslösen?

Wir verbinden mit jeder Farbe vielfältige Erfahrungen. Sie werden erinnert durch den Zusammenhang (Kontext), in dem wir eine Farbe wahrnehmen.

Die Farbwirkung lässt sich in psychologische, symbolische, kulturelle, politische, traditionelle und kreative Wirkungen einteilen (siehe Eva Heller, Wie Farben wirken, Seite 13-15)

Nun kommen wir wieder auf meine Lieblingsfarbe zurück – BLAU!

Eva Heller hat folgendes über die Farbe BLAU in ihrem Buch „Wie Farben wirken“ herausgefunden:

„Blau ist eindeutig die beliebteste Farbe. Es ist die Lieblingsfarbe von 40 % der Männer und 36 % der Frauen. Blau ist deshalb so beliebt weil diese Farbe viele gute Eigenschaften symbolisiert: Es ist die Farbe der Sympathie, der Harmonie, der Freundlichkeit und der Freundschaft.

Psychologische und symbolische Wirkung: Die Farbe der unbegrenzten Dimensionen

Die Ferne-Die Weite-Die Unendlichkeit“

Meine blauen Berge

Ich stelle Ihnen zwei Bilder vor, die in meinem Gefühlsleben und meiner persönlichen Entwicklung einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

Dieses Bild ist 2004 als mein erstes Bild in der Ausbildung zur Mal- und Gestaltungstherapeutin bei MGT entstanden. Das erste Ausbildungsmodul stand unter dem Thema „Blau“. Meine erste Assoziation waren die Berge in meinem Heimatort, den ich mehr als 10 Jahre zuvor verlassen hatte.

Es war eine liebevolle, versöhnliche Annäherung und dieses Bild nimmt noch immer einen wichtigen Stellenwert in meinem persönlichen Entwicklungsprozess ein. Die „blaue Blume“ ist zwar der Inbegriff der Dichtung der Romantik, aber für mich sind meine „blauen Berge“ der Ausdruck von Sehnsucht nach dem Lebenssinn.

Depression-Aggression

Diese Bilderserie habe ich auf der Sommerakademie auf Zakynthos 2007 gemalt. Sie drücken sehr starke Gefühle (Depression/Hass) nach einer Trennung aus. Sie sind großformatig und ich habe an beiden Bildern mehrere Tage sehr intensiv gearbeitet. Als ich sie beendet hatte, hatte sich auch in mir etwas gelöst.

Wenn ich beide Bilder ansehe, dann spüre ich fast körperlich noch immer die starken Emotionen, die ich in diesen beiden Bildern verarbeitet habe.

Deutungen und Assoziationen können wichtige Denkanstöße liefern. In der Maltherapie versuchen wir durch unsere gemalten inneren Bilder uns selbst, unsere Handlungen, unsere Gefühle besser zu verstehen. Dabei können Farben einen wichtigen Beitrag liefern.

Übung Gefühlsstern

Abschließend möchte ich Ihnen noch die maltherapeutische Übung „Gefühlsstern“ vorstellen, um die Farben Ihrer Gefühle darzustellen. Diese Übung wird von Udo Baer in dem Buch „Gefühlssterne, Angstfresser Verwandlungsbilder“ vorgestellt (S 70f):

Malen Sie auf einem Blatt Papier, mindestens A2, besser noch A1 oder A0 einen großen Kreis und teilen den Kreis in verschiedene Tortenstücke ein (8, 10, 12 oder 16 Felder). Schreiben Sie an den Rand jedes Feldes ein Gefühl. Auf der gegenüberliegenden Seite vermerken Sie das Gegenteil dieses Gefühls. Machen Sie sich ruhig ein wenig Gedanken, welche Gefühle es überhaupt gibt und mit welchen Sie arbeiten möchten. Denken Sie auch daran, dass es kein richtige und keine falsche Kategorisierung gibt.

Ihre Auswahl ist höchst persönlich und kann sich auch über die Zeit ändern.

Wenn Sie alle Gefühle aufgeschrieben haben, starten Sie damit die einzelnen Tortenecken auszumalen. Sie können Wasserfarben, Buntstifte, Ölkreiden, Pastellkreiden oder auch Acrylfarben wählen. Lassen Sie sich Zeit und versuchen Sie den richtigen Farbton zu finden, der Ihr Gefühl in diesem Moment ausdrückt. Versuchen Sie in Ruhe und Achtsamkeit zu malen und malen Sie keine Symbole, Muster oder Texte in Ihr Feld, sondern nur einen Farbton.

Wenn Sie fertig sind, betrachten Sie ihr Werk. Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Wie war der Prozess der Suche der Gefühle und des Malens?

  • Konnten Sie in die Arbeit versinken oder waren Gedanken dabei?

  • Welche Gefühle löst Ihr Gefühlsstern aus?

  • Welche Farben haben Sie überrascht? Welche Kombinationen?

  • Was haben Sie über sich kennengelernt?

  • Zu welcher Farbe möchten Sie sich vertiefen, mehr über die Bedeutung erfahren?

Sie sehen, Farben sind ein weites Feld, lassen Sie sich ein. Wenn wir uns mit Farben beschäftigen, dann ist es immer ein Versuch uns selbst besser zu verstehen, letztendlich um uns weiterzuentwickeln und zu wachsen.

Literatur

Udo Baer, „Gefühlssterne Angstfresser Verwandlungsbilder, Kunst und gestaltungstherapeutische Methoden und Modelle“, Affenkönig Verlag, Neukirchen-Vluyn, 2004

Eva Heller, „Wie Farben wirken Farbpsychologie. Farbsymbolik. Kreative Farbgestaltung“, Rowohlt, Hamburg, 1998

Ingrid Riedel, „Farben in Religion, Gesellschaft, Kunst und Psychotherapie“, Kreuz Verlag, Stuttgart, 1983

Diesen Artikel habe ich bei Maxima Comepass eingereicht – ein Blogwettbewerb.

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#Individuationsprozess #Maltherapie #Farben #CGJung

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Mag. Manuela Sattlegger

Pharmaziegasse 5. A-9020 Klagenfurt

Tel: +43 (0) 680 207 44 92 

e-mail: Manuela.sattlegger@malfreude.at

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